Der innere Sitz / Rundbrief 08.03.2026

Eine der bemerkenswertesten Fähigkeiten, die ein Mensch erlangen kann, ist die, in sich zu ruhen. Das meint, nicht etwa zu schlafen oder zu dösen, sondern sich bewusst in einer stillen, aufmerksamen Beziehung nach innen zu befinden und dort zu bleiben. Der innere Sitz ist so etwas wie das Pendant zum äußeren Sitz, letzterer uns geläufiger ist, nehmen wir ihn doch täglich mehr oder weniger geistdurchdrungen ein. Im eigenen Innern Platz zu nehmen, bedeutet, sich von den mit den Augen sichtbaren Dingen und den Gedanken abzuwenden und dem Sinn des (Körper-) Gefühls Raum zu geben.

Ich hatte schon immer ein Riesenproblem: Was ich nicht wirklich selbst durchspürt habe, glaubte ich nicht. Man kann mir erzählen, dass es im Süden Frankreichs eine besonders attraktive Stadt namens Aix-en-Provence gibt. Bevor ich jedoch nicht selbst einen Fuß in diese Stadt gesetzt habe, existiert sie für mich nicht. So war es auch mit Jesus Christus, an den ich nicht einfach glauben konnte. Erst als ich mich auf ihn einließ und er mich infolge ansprach und an mir zu wirken begann, da 'glaubte' ich wirklich. Oder wusste ich nun, dass er Gott sein muss, da er Ungeheuerliches tat bis zum heutigen Tag?

Meditation ist der Weg in die totale Souveränität. So subtil sie daher kommt, so machtvoll ist sie. Was steht ihr entgegen? Unser zumeist (noch) nicht ganz in der Liebe aufgegangenes Verhältnis zu uns selbst. Wo wir uns ablehnen, da schauen wir uns auch nicht an. Meditation ist ein Durchbruch in die Liebe. Du lernst, es mit dir auszuhalten, bei dir und mit dir zu bleiben. Jedes stellvertretende Gefuchtel im Außen wird unnötig. Meditativ gewinnst du einen Platz, der dich selig stimmt. Der innere Sitz hat keinen und viele Namen: Urvertrauen, Gott, Ewigkeit, Himmel. Du wohnst bereits in ihnen.